Da ich derzeit ja viel Zeit habe, nutzte ich vor kurzem ein Gutscheinangebot der Westbahn um mich von der neuen ÖBB Konkurrenz zu überzeugen.
Meine Reise ging von Wels nach Wien und wieder zurück. Da ich am Nachmittag bereits wieder daheim sein musste, habe ich den ersten Westbahnzug ab Wels gewählt:
Hinfahrt:
Westbahn Zug Nr. 17505
Wels Hbf ab: 06:31, Wien West an: 08:26 (Planmäßig)
Rückfahrt:
Westbahn Zug Nr. 17510
Wien West ab: 09:34, Wels Hbf an: 11:24 (Tatsächlich: 11:21)

Westbahn im Wiener Westbahnhof bereit zur Abfahrt
Alles glänzt, alles riecht gut, alles ist Neu. So kann man zusammenfassend den Innenraum der Westbahn beschreiben. Die 2 Monate alten Garnituren des schweizer Zugbauers Stadler sind modern eingerichtet. Das CI der Westmanagement GmbH zieht sich durch die Bank durch.

Die Sitze sind sehr großzügig bemessen. Es herrscht praktisch Beinfreiheit. Nutzt man seinen Laptop auf einem der Tische, musste sogar ich das Notebook ein wenig an mich heranziehen – zumindest wenn man bequem im Sitz platznehmen will.

Auf den Tischen im Westclub findet man die Cateringkarte des Unternehmens sowie Fahrplaninformationen. Was fehlt sind Informationen über Anschlusszüge der ÖBB. Kann man im Internetzeitalter vielleicht vernachlässigen – trotzdem fiel mir auf das auch sehr viele ältere Passagiere das Angebot der Westbahn nutzen. Der Zugbegleiter konnte keine vernünftige Antwort auf die Frage nach Anschlussverbindungen geben und nur auf die Hinweistafeln am Bahnhof hinweisen. Er kennt verständlicherweise die Produkte des Mitbewerbers nicht.

Die Temperatur war sehr gut. Es war warm. Genau richtig. An dem Einzelplatz den ich gewählt habe konnte man – da am Wagonende – teilweise leichte Zugluft spüren. Das kann aber kein anderer besser.
Die Garnituren sind innen relativ ruhig. Natürlich kein Vergleich zu den ÖBB Abteilwägen aber absolut in Ordnung. Der Wagen bei der Heimfahrt kam mir etwas leiser vor als bei der Hinfahrt. Die Geräuschprobleme bei Tunnelfahrten kann ich nicht bestätigen – wohl aber die Druckausgleichprobleme die man in den Ohren deutlich merkt. Ständig anwesend war ein seltsames hochfrequentes Surren. Man kennt das Geräusch von allen möglichen Zügen – ich dachte eigentlich dass dies an den älteren ÖBB Wagen liegt – aber auch bei der Westbahn ist es vorhanden.

Jeder Sitzplatz ist mit einer Steckdose ausgestattet. Normalerweise befinden sich diese zwischen den Sitzen. Bei meinem Einzelsitz musste ich eine Weile suchen, bis ich sie gefunden habe. Hier ist der Stecker ein wenig versteckt – ich hab die Stromversorgung jedoch auch nicht benötigt, gehe aber davon aus dass diese einwandfrei funktioniert. Das WLAN Netz funktionierte stabil – wenngleich auch der Einstieg aufgrund einer Browserbasierenden WIllkommensseite 2-3 Versuche benötigte bis mein Notebook autorisiert war.

Die Westmanagement GmbH scheint bei der Abfrage der externen IP Adresse als Serviceprovider auf. Abgewickelt wird das ganze über den Dachprovider UPC der sich in diesem Fall der drei Netzbetreiber A1, Orange und H3G bedient. Eine etwas seltsame Konstellation – scheinbar wählt sich die Sim Karte mit der besten Netzabdeckung ein und wird verwendet. Da bei der Hinfahrt die Auslastung sehr gering war, konnte ich Messwerte über 4 MBit erreichen. Bei der Heimfahrt merkte man, dass die größere Anzahl Passagiere das Wlan auch nutzen. Trotzdem reicht es für surfen und mailen auf jeden Fall leicht aus.

Speedtest im Westlan // Westbahn
Die Zugbegleiter waren sehr höflich. Mir wurde sofort nach dem Einstieg ein Getränk angeboten welches im Westclub kostenlos ist. Der Kaffee war ausgezeichnet. Während der Fahrt erkundigte sich der Weststeward noch 3-4 mal ob alles in Ordnung ist und ob ich noch etwas konsumieren möchte. Genau die richtige Hartnäckigkeit die Kunden wünschen. Nicht zu aufdringlich und nicht zu abwesend.
Scheinbar funktionieren die QR Codes der Internetfahrkarten nicht richtig. Auf jeden Fall konnte der Steward sowohl bei Hin- und auch bei der Rückfahrt den Code nicht scannen und musste ihn manuell eingeben. Auch bei den anderen Gästen im Wagen hat es nicht funktioniert. Die Scanner basieren auf iPhones in Kombination mit drahtlosen Druckern.
Der Fahrscheinkauf im Zug funktionierte bei allen Passagieren reibungslos. Am Wochenende gilt entweder der Streckenpreis von € 9,00 (man kann damit eine Einzelfahrt über die gesamte Strecke machen) oder falls die Strecke kürzer ist der günstigere Fahrtstreckenpreis. Zb. Wien West – Hütteldorf, Wels – Linz etc… Um den Westclub nützen zu können, zahlt man einen Aufpreis von € 5,00. Das € 9 Angebot gilt noch bis 1. April 2012.
Die Durchsagen im Zug sind klar und verständlich. Der Zugführer gibt vor der Einfahrt in den Bahnhof auch die Ausstiegsseite durch – was durchaus hilfreich ist. Im Wagen selbst sind Monitore mit der aktuellen Uhrzeit, der Fahrtgeschwindigkeit und dem nächsten Bahnhof angezeigt.

Beide Züge waren pünktlich. Bei der Heimfahrt kam der Zug sogar einige Minuten früher an – was für einen längeren Aufenthalt in Wels sorgte. Ein Insider hat mir berichtet, dass die Westbahn aufgrund eines niedrigeren Gewichts schneller beschleunigen kann, bzw weniger Wegstrecke zum Bremsen benötigt.
Die Sanitäreinrichtungen sind – wie üblich – eher eng. Hier hat man bei der ÖBB gefühlt mehr Platz – kann mich aber auch täuschen. Eine Besonderheit ist auf jeden Fall die Trennung zwischen Damen und Herrentoilette. Auf der Herrentoilette befindet sich ein Pissoir, auf der Damentoilette ein Wickeltisch.

Pissoir der Herrentoilette // Westbahn
Das Cateringangebot entspricht. Teilweise könnten die Snacks auch ein wenig “einfacher” sein. Als bodenständiger Mensch fehlen mir Gerichte wie Schnitzelsemmerl oder die klassischen Frankfurter Würstel. Aber es soll vermutlich die innovative Westbahn Idee unterstreichen. Im Westclub werden Snacks und Getränke direkt an den Platz geliefert.

Die Preise liegen auf ÖBB Niveau bzw ein wenig günstiger – so wie man es erwartet. Die Weinauswahl/Qualität von der ich mich teilw. persönlich überzeugen konnte ist eher beschämend für österreichische Verhältnisse. Die Kaffeepreise sind wirklich sehr fair und die Qualität passt hervorragend!
Ich bedanke mich bei der Westbahn für den reibungslosen Transport und kann diese uneingeschränkt weiterempfehlen. Da ich mich aber selbst zu den eher unkomplizierten Fahrgästen zähle, hatte ich auch noch nie Probleme mit dem Angebot der ÖBB.